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Sonntag, 9. Oktober 2011

Höhenangst

via.
Ich musste da an jemanden denken. Für mich ist er ein Riese. Denn ich bin ein Zwerg. Ein Zwerg für ihn. Gestern habe ich an ihn gedacht. Es war schön und gleichzeitig so traurig. 
Traurigkeit. Was ist das eigentlich? Kinder wissen, wenn sie traurig sind. Wann habe ich aufgehört dieses Gefühl zu verstehen? Ist traurig sein gleich weinen? Nein. Ich kann weinen ohne zu fühlen. Gibt es einen Unterschied zwischen physischen und psychischen Gefühlen? Ich denke ja. Ich kann körperlichen Schmerz wahrnehmen ohne dabei zu fühlen. Das macht keinen Sinn.
Ich werde auf einen Berg steigen. Ich werde den Riesen von oben sehen. Werde ich Angst haben oder nur zittern? Werde ich weinen und gleichzeitig fühlen? Ich werde schreien. Ich werde den Riesen anschreien. Denn ich werde der Riese sein. Nur für einen kurzen Augenblick.
Ich hoffe nur, er erklimmt nicht auch den Berg.

Montag, 26. September 2011

Auf der Suche

Ich laufe. Menschen kommen mir entgegen. Sie blicken mich flüchtig an. Manche von ihnen schauen ein zweites Mal hin und schenken mir einen mitleidigen Blick. Sie sehen, dass etwas fehlt. Irgendetwas ist nicht an seinem Platz. Sie fragen sich, was es ist, das fehlt, doch nach zwei Sekunden sind sie vorbei und vergessen mich. 
Ich bin in der Stadt. Mitten im Gerummel der Einkaufspassage. Ich habe kein bestimmtes Ziel. 
Doch dann sehe ich Dich. Du hängst mit ein paar anderen in einer Ecke rum. Du gefällst mir sofort, doch ich bleibe skeptisch. Ich gehe auf Dich zu und strecke meine Hände nach Dir aus. Du bleibst ganz ruhig. Ich streichel Dich. Du fühlst Dich gut an, doch Dein Geruch gefällt mir nicht. Es riecht nach einem Frauenparfum. Nicht mein Fall! Du bittest mich still, mit mir mitkommen zu dürfen. Aber es stört mich, dass Du nach einer anderen Frau riechst. 
Trotzdem nehme ich Dich mit. Du bist nicht vollkommen, aber ich bin zufrieden. Zufrieden mit Dir. Doch meine Suche geht weiter. Die Suche nach der perfekten Mütze.

Sonntag, 11. September 2011

Endlich geht es wieder bergab


Du versuchst dem weh zu tun, der Dir weh tut. Du weißt nicht warum, doch plötzlich ist alles wieder da. Dieses Gefühl, das Du nur allzu gut kennst und trotzdem nicht benennen kannst. Bist Du traurig? Oder wütend? Fühlst Du Dich einsam, verloren oder hilflos? Du weißt es nicht. Alles was Du weißt, ist, dass es weh tut. Du kannst es einfach nicht ertragen und fragst Dich warum es auf einmal wieder da ist. Wie kommt dieses Gefühl in den unterschiedlichsten Momenten zu Stande? Der einzige Grund, der Dir einfällt, ist das Arschloch. Das Arschloch, das Dich jahrelang kritisiert, geschlagen und ausgelacht hat. Und die Geschichte wird weiter laufen, es wird nicht aufhören. Es wird Dich auch in den nächsten Jahren verletzen und enttäuschen. Weiterhin wirst Du eingesperrt sein, der Schlüssel weggeworfen. Du musst ein Zeichen setzen. Wenn Dir niemand helfen kann, musst Du es selbst in die Hand nehmen. Du willst nicht, dass man mit Dir so umgeht. Gleiches muss mit Gleichem vergelten werden. Du packst Dein Messer, auf der Suche nach dem, der Dir weh tut. Dein Weg führt Dich vorbei an Menschen, die Du liebst. Die sagen, dass sie Dich lieben. Du glaubst ihnen nicht, aber ein letzter Zweifel besteht. Sie wären so enttäuscht, wenn sie wüssten, was Du vorhast. Einige würden Dich vielleicht verstehen, Dir keinen Vorwurf machen. Doch Du könntest ihnen im Gesicht ablesen, dass sie lügen. „Ein Jahr hast Du es geschafft, Dich von dem Arschloch nicht runter ziehen zu lassen und nun die ganze Arbeit um sonst?“ Du willst ihnen nicht zuhören, aber im Hinterkopf ertönen leise immer und immer wieder ihre Stimmen. Du versuchst alles auszublenden, fährst mit dem Finger über die scharfe Klinge in deiner Hand. Jetzt wirst Du erfahren, was Schmerzen sind. Am Ende starrst Du Dir selbst in die Augen und kannst es nicht tun.

Mittwoch, 31. August 2011

Mehr schein als sein

via
Sobald man von zu Hause wegzieht, wird erst einmal alles anders. Man denkt, alles wird super. Neue Umgebung, neue Chancen, neues Abenteuer. Und zu Anfang ist tatsächlich auch alles super. Man trifft neue Leute, entdeckt neue Orte und wird von diesen neu inspiriert. Und schnell vergehen die neuen Tage und Monate; und kaum blickt man zurück, sind zwei Jahre vergangen. Einerseits zwei wundervolle Jahre, die man nicht missen will. Andererseits kein neues Kapitel. 
Ein neues Buch. Ein ganz neues Genre. Keine romantische, humorvolle Tragödie. Ein Drama. Ein Alptraum. Nichts vom alten, doch so geliebten Leben ist mehr da. Erwacht aus der phantastischen Scheinwelt. Freunde, die gestern noch als diese betitelt wurden, seit Monaten nicht mehr gesprochen. Die über alles geliebte Familie monatelang belogen. Man will diese Tatsache nicht wahr haben und blickt vorwärts. Und beginnt erneut zu lügen.